Heimatblätter

Inhaltsverzeichnis für die Hefte 1 bis 65 / Jahrgang 1956 – 2009

Das letzte Gesamtverzeichnis unseres Publikationsorgans, der „Heimatblätter für den süd-westlichen Harzrand“ , erschien vor 15 Jahren, so dass eine erweiterte aktuelle Neuauflage geboten erschien. Unser Stadtarchivar E. Eder hat sich dankenswerter Weise dieser Aufgabe unterzogen. Nun sind also alle Aufsätze der Ausgaben 1 (1956) bis 65 (2009) in diesem neuen Register nach Autoren und Sachgebieten geordnet enthalten, so dass der in Jahrzehnten erarbeitete Wissensschatz dem nach regionalgeschichtlichen und heimatkundlichen Informationen Suchenden erschlossen wird.

Sie können das Werk für 6,00 € in der Geschäftsstelle des HGV erwerben.

Aktuelle Ausgabe

HEFT 81 / 2025
Die Heimatblätter für den süd-westlichen Harzrand liegen vor.
Im Format: DIN A5
Seitenanzahl: 180
Preis: 14,00 € 

Heft Nr.Preis pro Heft
1 – 10 (nicht mehr verfügbar)
11 – 154,00 €
16 – 19 (nicht mehr verfügbar)
20 – 235,00 €
24 + 25 (nicht mehr verfügbar)
26 + 275,00 €
28 (nicht mehr verfügbar))
29 – 405,00 €
415,00 €
428,00 €
43 (nicht mehr verfügbar)
44 – 508,00 €
51 + 5210,00 €
53 (nicht mehr verfügbar)
54 – 6010,00 €
6112,00 €
62 (nicht mehr verfügbar)
63 – 6912,00 €
70 – 7215,00 €
73 + 7713,00 €
7814,00 €
7912,00 €
8012,00 €
Alle Preise verstehen sich inklusive der aktuell gültigen gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Aktuelles

Fotowettbewerb

Fotowettbewerb „Das neue Osterode“

Der Heimat- und Geschichtsverein Osterode und Umgebung e. V. veranstaltet einen Fotowettbewerb zum


Thema: „Das neue Osterode – Gebäude, Straßen und Plätze, die nach 1945 entstanden“. Zahlreiche Ansichten des historischen Osterodes liegen in Sammlungen vor. Wir alle kennen wunderschöne Aufnahmen von unseren Baudenkmälern, den Fachwerkhäusern und den alten Straßen und Plätzen. Dieser Wettbewerb möchte jedoch ganz bewusst den Fokus auf das „andere Osterode“, die neueren Gebäude und Plätze richten, die häufig weniger Beachtung finden, jedoch genauso zu unserem Stadtbild gehören. Von diesen Motiven liegen häufig nur wenige Aufnahmen vor, so dass hier auch neue und „unverbrauchte“ Bilder geschaffen werden können. Schauen Sie sich die Stadt und ihre neueren Stadtteile und Häuser an – Sie werden viel entdecken. Und lassen Sie doch auch andere an diesen Entdeckungen teilhaben und reichen Ihre Bilder zu diesem Fotowettbewerb ein.


Wie lange läuft der Wettbewerb: Der Wettbewerb läuft über ein Jahr und startet am 1. Oktober 2025. Die Bilder müssen bis zum 30. September 2026 beim Heimat- und Geschichtsverein eingegangen sein.


Wer kann mitmachen: Es handelt sich um einen offenen Wettbewerb, an dem jede und jeder teilnehmen kann. Eine Vereinsmitgliedschaft im HGV ist dabei keine Voraussetzung. Lediglich die Vorstandsmitglieder und die Jurymitglieder sind selbstverständlich von einer Teilnahme ausgeschlossen.


Wieviel Bilder können eingereicht werden: Bis maximal 10 Bilder pro Teilnehmer.


Welche Bildformate und Bildinformationen: Die Bilder können als Dateien (Jpg oder Tiff) an info@hgv-osterode.de oder auch als Papierabzüge beim Heimat- und Geschichtsverein Osterode, Martin-Luther-Platz 2 (Altes Rathaus), 37520 Osterode am Harz eingereicht werden. Jedem Bild sollten Bildinformationen (Name des Fotografen sowie dargestelltes Motiv/Adresse/Straßenname mit Aufnahmedatum) beigefügt werden.


Was geschieht mit den Bildern: Die Bilder werden von einer Jury nach den Kriterien Motivwahl / Dokumentationswert, Ästhetik und technische Umsetzung bewertet. Die drei Siegerbilder werden in den Heimatblättern für den süd-westlichen Harzrand und auf der Internetseite des HGV veröffentlicht. Ferner werden den ersten drei Siegern attraktive Preise überreicht. Alle eingereichten Bilder werden auf einem Osteroder Abend der Öffentlichkeit präsentiert und vorgestellt. Um die eingereichten Fotos dauerhaft zu sichern, sollen die Bilder nach Abschluss des Wettbewerbs an das Osteroder Stadtarchiv übergeben werden.

Willkommen

Veranstaltungsprogramm 2026 – 2027

Vorträge

 

Freitag, 4. September 2026, ab 19.30 Uhr, Dr. Hartmut Herrmann: Tilman Riemenschneider und sein Werk, Veranstaltungsort: Marienkirche, die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Mariengemeinde statt.

 

Donnerstag, 15. Oktober 2026, ab 19.00 Uhr, Kai Weber: Die Osteroder Freimaurerloge „Zum Tempel der Eintracht“, Veranstaltungsort: Logenräume, Kornmarkt 12.

 

Donnerstag, 19. November 2026, ab 19.00 Uhr, Dr. Stefanie Schaefer-Di Maida: Die Kleine Jettenhöhle bei Düna – Erste Ergebnisse der umwelt-archäologischen Untersuchungen, Veranstaltungsort: Museum im Ritterhaus, Rollberg 32.

 

Donnerstag, 21. Januar 2027, ab 19.00 Uhr, Karsten Bayer: Die Kreisbahn Osterode – Kreiensen im Winterbetrieb, Veranstaltungsort: Museum im Ritterhaus, Rollberg 32.

 

Donnerstag, 18. Februar 2027, ab 19.00 Uhr, Frank Seeringer: Familie Cludius – eine bedeutende Bürgerfamilie in Osterode und im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg seit 1392, Veranstaltungsort: Museum im Ritterhaus, Rollberg 32.

 

Donnerstag, 18. März 2027, ab 19.00 Uhr, Dr. Friedrich Seven: Thomas Müntzer – Reformator aus dem Harz. Veranstaltungsort: Museum im Ritterhaus, Rollberg 32.

 

Fahrten / Exkursionen

 

Sonntag, 31. Mai 2026, ab 14.00 Uhr, Dorfrundgang durch Dorste geführt von Andreas Nackunstz, Treffpunkt: Hinter der Kirche in Dorste. Eine Kaffeetafel wird nicht organisiert, stattdessen kann im Anschluss an die Veranstaltung in den Räumen der Kirchengemeinde Dorste „Rucksackverpflegung“ gemeinsam genossen werden.

 

Samstag, 25. Juli 2026, ab 8.30 Uhr, Studienfahrt zur Burg Querfurt und zur „Himmelsscheibe“ Nebra, Fahrtleitung: Hans Mittmann.

 

Osteroder Abende

Zu den stadt- und regionalgeschichtlichen Gesprächsabenden im Ratskeller wird über die Internetseite des Heimat- und Geschichtsvereins (www.hgv-osterode.de), die Presse, Rundmails und durch den Aushang im Vereinsschaukasten eingeladen.

Die etwa 4000 Jahre alte Himmelsscheibe (Foto: Hans Mittmann)

Tagesexkursion: BURG QUERFURT und zur “HIMMELSSCHEIBE” nach Nebra

Der Heimat- und Geschichtsverein Osterode lädt am Samstag, dem 25. Juli, zu einer Exkursion zur „Arche Nebra” und zur Burg Querfurt ein. Unter der Leitung von Hans Mittmann wird zunächst die gewaltige Burganlage von Querfurt besichtigt, die zu den ältesten, größten und schönsten Burgen Mitteldeutschlands zählt. Anschließend geht es weiter zur „Arche Nebra“, einem futuristisch anmutenden Bau, in dem eine Ausstellung über die etwa 4.000 Jahre alte Himmelsscheibe zu sehen ist. Unter Aufsehen erregenden Umständen konnte die Himmelsscheibe, die Raubgräber 1999 in der Nähe von Nebra fanden, sichergestellt werden. Bei einer Führung und dem Besuch des Planetariums wird das komplexe astronomische Wissen der Bronzezeit vermittelt, das auf dem einzigartigen Objekt dargestellt ist. Sowohl die „Arche Nebra“ als auch die Burg Querfurt können barrierefrei besichtigt werden.

 

Anmeldungen zu dieser Exkursion (Abfahrt 8.30 Uhr Bleichestelle, Rückkehr ca. 19.30 Uhr) sind noch möglich beim Heimat- und Geschichtsverein Osterode und Umgebung e. V., Martin-Luther-Platz 2, 37520 Osterode am Harz oder per E-Mail beim Reiseleiter unter hans.doris.mittmann@t-online.de. Eine Mitgliedschaft im Heimat- und Geschichtsverein Osterode ist keine Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Fahrt. Für Rückfragen steht der Reiseleiter, Tel. 05522-71678, gerne zur Verfügung.

Kreisbahnhof Osterode im Harz – historisches Gebäude der Kreisbahn Osterode-Kreiensen

Die Kreisbahn Osterode – Kreiensen: Früher und heute

Der Heimat- und Geschichtsverein Osterode, lädt am Donnerstag, 26. März 2026, ab 19.00 Uhr, zu einem Vortrag in das Museum im Ritterhaus, Rollberg 32, ein. Karsten Bayer wird über „Die Kreisbahn Osterode – Kreiensen: Früher und heute“ berichten. Die Kreisbahn (KOK) früher, daran werden sich viele gerne erinnern: An die Kleinbahnzüge, die von der Kreisstadt Osterode über den Westerhöfer Wald und durch das Alte Amt bis zum Bahnhof Kreiensen fuhren. Die in 75 cm Schmalspur gebaute Eisenbahn wurde in den Jahren 1898 bis 1901 eröffnet. Doch 1967 wurde der Schmalspurabschnitt der KOK stillgelegt. Im Vortrag wird unter anderem die Frage geklärt, was es heute noch von der Kreisbahn zu sehen und zu entdecken gibt. Anhand zahlreicher, zum Teil bisher unveröffentlichter Bilder wird der Referent auf die zahlreichen Spuren eingehen, die noch heute an den früheren Eisenbahnbetrieb erinnern. Auf manchen Abschnitten sind noch Reste der alten Trassen und Bauwerke zu sehen. Andere Bereiche sind völlig überbaut und kaum noch als alte Bahnanlage zu erkennen.

Vortrag: Die eiszeitliche Fauna um Osterode

Vortrag: Die eiszeitliche Fauna um Osterode

Der Diplom-Geologe Firouz Vladi berichtete am 19. Februar 2026 im Museum im Ritterhaus über die eiszeitliche Fauna um Osterode.

Welchen Mut (und Hunger) hatten unsere frühen Vorfahren, die in der letzten Eiszeit am südwest-lichen Harzrand vor ca. 30.000 Jahren riesige und gefährliche Tiere jagten: Höhlenlöwen- und -bären, Mammute, Wollhaarnashörner, Riesenhirsche, Säbelzahntiger und Hyänen! Was kreucht und fleucht musste damals in der baumlosen Tundra den Hunger der frühen Jetztmenschen, des Homo sapiens stillen, auch Schneehasen, Murmeltiere und Lemminge. Sie haben das Waidwerk der Neandertaler nur fortgesetzt, die in der Einhornhöhle nach Bären jagten. Der Referent berichtete über Klima und Tierwelt der Eiszeit und ging auch auf die Frage ein, wer oder was all diese Tiere, die ja heute nicht mehr vorkommen, verschwinden ließ.

Dielenhaus in Osterode

Vortrag: Das städtische Dielenhaus in Osterode

Der Architekt Marco Bode berichtete am 20. November 2025 im Museum im Ritterhaus wird über die städtischen Dielenhäuser in Osterode. Noch um 1900 gehörten die Dielenhäuser in großer Zahl zum Stadtbild von Osterode. Sie boten genug Platz für Wohnen und Arbeiten unter einem Dach. Die hohen Dielen mit den großen Toren zur Straße dienten den Ackerbürgern, Handwerkern und Kaufleuten lange Zeit als Lebensmittelpunkt.


Heute sind sie in den Zeilen der Fachwerkhäuser der Altstadt rar geworden. Durch Brände, Abrisse und Umbauten wurde ihre Anzahl in den letzten Jahrzehnten stark reduziert. Doch einige dieser baulichen Zeitzeugen des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit sind durch die Jahrhunderte bis heute erhalten geblieben. Neben den typischen Merkmalen der Fachwerkkonstruktion sind die räumliche Aufteilung der unterschiedlichen Funktionsbereiche und die Fassadengestaltung der ältesten noch erhaltenen Wohn- und Wirtschaftsgebäude Osterodes Thema des Vortrags von Marco Bode. Es werden die Veränderungen seit ihrer Erbauung zwischen 1550 und 1650 aufgezeigt und die Nutzbarkeit im 21. Jahrhundert betrachtet.

Vortrag Vogel

Vortrag über Flucht und Vertreibung

Am 16. Oktober 2025 um 19:00 h hielt Dr. Sigrid Vogel im Museum im Ritterhaus in Osterode am Harz einen Vortrag über Flucht und Neuanfang einer Familie aus Niederschlesien nach dem Zweiten Weltkrieg.
Osterode am Harz ist nach dem Krieg ein Ort, der viele Flüchtlinge aufnahm. Gemäß der Zusammenstellung FD1 47 34 51 des Stadtarchivs Osterode am Harz stammt die größte Gruppe der Geflüchteten und Vertriebenen aus Schlesien, gefolgt von Ostpreußen und Pommern. Der Haushalt des Jahres 1953 geht von 6511 deutschen Flüchtlingen aus. Das entspricht etwa 40% der damaligen Einwohnerzahl der Stadt.


Auf der Flucht zeichnet der Großvater Sigrid Vogels, Bernhard Schulz, Volksschullehrer einer einklassigen Schule in Koslitz, Kreis Lüben, die Kriegs- und Fluchterlebnisse seiner Familie auf. Auch die Mutter Dorothea Krumbiegel schreibt Tagebuch. Beide Geschichtszeugnisse sind erhalten und befinden sich mit dem in diesem Zusammenhang entstandenen Buch „Epigenetik braucht Geschichte. Wohin, wenn man nicht bleiben kann?“ (2023) im „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ in Berlin.
Sigrid Vogel transkribierte die Aufzeichnungen und versah das Niedergeschriebene mit Erläuterungen. Sie recherchierte den Wahrheitsgehalt des Beschriebenen und kommentierte ihn. In einem Nachwort ordnete sie die persönliche Bedeutung der Ereignisse ein und veröffentlichte während der Corona-Epidemie das Buch im Selbstverlag. Ein Exemplar des Buchs wird im Stadtarchiv Osterode am Harz aufbewahrt. Es zeigt anhand der erlebten Alltagsgeschichte einer Familie die allgemeine politische und gesellschaftliche Lage der Zeit von 1939 bis in die frühen 50er Jahre auf.


Der Titel des Vortrags „Wohin, wenn man nicht bleiben kann“ ist der Untertitel des Buchs. Er verweist auf die wiederholten Fluchtbewegungen der Familie, erst in die nähere Umgebung des Dorfes Koslitz, dann in das Sudetenland nach Graslitz, weiter in die Gegend um Hirschberg, schließlich in den Harz. Immer wieder mussten die Familienmitglieder, sei es durch Anordnungen oder aber wegen persönlicher Umstände, von den Orten, wo sie vorübergehend eine Bleibe gefunden hatten, aufbrechen. Sich verlieren, sich wiederfinden, sich irgendwie abfinden begleitet ihr Weggehen aus der Heimat. Sie müssen flüchten und sie werden vertrieben. Die Aufzeichnungen dokumentieren nicht nur Gewalt, Grausam- und Herzlosigkeiten im Krieg, sondern auch das Zusammenleben der Geflüchteten mit den zugewanderten Polen in dem von Polen verwalteten Gebiet in Hohenliebenthal bei Hirschberg. Von hier wurde die Familie im Juni 1946 ausgewiesen und kam über Uelzen, eine der damaligen Drehscheiben, die für die Verteilung von Vertriebenen auf die Besatzungszonen zuständig war, zunächst nach Osterode, dann nach Bad Lauterberg ins Lager. Als die Familie im Juli 1946 schließlich im Südharz ankommt, muss sie sich, wie viele andere Flüchtlinge und Vertriebene auch, in die Gegebenheiten einfinden und ein neues Leben aufbauen.
Wie sich die Schicksale von Flüchtlingen ähneln, beweist eine Erhebung von 2023, die Sigrid Vogel unter den Abiturienten der Klasse 13 na zum 60jährigen Abitur am ehemaligen Gymnasium Osterode, durchführte. Die Klassenkameraden hatten einen umfangreichen Fragebogen beantwortet. Dabei stellte sich heraus, dass von den 16 Abiturienten nur 2 Einheimische waren, alle anderen kamen aus östlichen Gebieten.


Die Fluchtbewegungen hatten die Mütter, Großmütter und Großeltern unternommen. Bei Verwandten weiter im Westen hatte man versucht unterzukommen. Für zwei Schülerinnen bestand allerdings diese Möglichkeit nicht. Sie lebten für kurze Zeit im Lager (Osterode, Bad Lauterberg). Charakteristisch für die frühe Kindheit der Geflüchteten war die Abwesenheit der Väter, die für den Krieg eingezogen worden waren, dann in Gefangenschaft gerieten oder gefallen waren, d.h. die Kinder wurden vorwiegend weiblich sozialisiert. Für die Mütter gab es eine Zeit der Ungewissheit, bestimmt durch die „Ohnmacht des Wartens“ (Marguerite Duras). Für die heimkehrenden Väter wiederum war es eine große Herausforderung, in der Gesellschaft und dem Arbeitsleben Fuß zu fassen. Das bedeutete für manche Familien beengte Wohnverhältnisse, Hunger, Armut.
Aus der Beantwortung der Fragebögen geht auch hervor, dass sich der jeweilige Start ins Leben in Langzeit-Nachwirkungen niederschlug, wie z.B. der Drang zu besonderer Sparsamkeit oder aufkommende Angst bei Sirenengeheul. Trotzdem blicken alle ehemaligen Abiturienten auf eine glückliche und zufriedene Kindheit und Jugend zurück. Das Sich-Einfinden der Ankömmlinge in das neue Leben war also gelungen. Dieser Prozess war vermutlich eine Mischung aus individueller, familiärer Anpassung an bestehende Verhältnisse einerseits und der Bereitwilligkeit der Ansässigen sie aufzunehmen andererseits.
Nur bei zwei „Schlesierinnen“ spielte die Bewahrung des heimatlichen Brauchtums eine Rolle. Bei der einen war es der Großvater, bei der anderen der Vater, die überzeugt waren, man könne wieder in die Heimat zurückkehren. Diese Hoffnung wurde durch die offizielle Politik der Adenauer-Jahre durch die Partei GB/BHE (Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) bis 1961 genährt.
Im Vortrag ergänzte Sigrid Vogel die Darstellung der historischen Ereignisse durch Bilder zweier „Reisen in die Vergangenheit“ (2023 und 2024). Die Kinder und Enkel hatten sich zum besseren Verständnis gewünscht, mit ihr Stätten der Flucht aufzusuchen.
Abschließend wurde die Frage geklärt, ob denn die Vortragende einen „Migrations-hintergrund“ habe. Der Begriff wurde zum ersten Mal 2005 von Frau Boos-Nünning in Anlehnung an die amerikanische Bezeichnung migration background verwendet. Sie hatte in Untersuchungen festgestellt, dass Nachkommen von Eingewanderten vom Statistischen Bundesamt nicht besonders erfasst wurden. Der Begriff fand Eingang in dessen Berechnungen. Explizit zählt es Deutsche und ihre Nachkommen, die bis 1949 zugewandert sind, nicht als Personen mit Migrationshintergrund, gemeint sind die Geflüchteten und Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges, die im heutigen Ausland lebten.


Im Jahr 1939 hatte Osterode etwa 9.000 Einwohner. Zehn Jahre später lebten gut 16.000 Menschen in der Stadt. Die meisten der neuen Einwohner stammten aus Ostpreußen, Pommern, Brandenburg und vor allem aus Schlesien. Hinter diesen Zahlen verbergen sich menschliche Schicksale, die im Vortrag am Beispiel einer Familie beleuchtet werden. So nimmt Dr. Sigrid Vogel die Flucht ihrer Familie am Ende des Zweiten Weltkrieges aus Niederschlesien nach Osterode und Bad Lauterberg in den Blick. Sich verlieren, sich wiederfinden, sich irgendwie abfinden – all das begleitet das Weggehen aus der Heimat.


Als die Familie 1946 schließlich im Harz ankommt, muss sie sich, wie viele andere Flüchtlinge und Vertriebene auch, in die Gegebenheiten einfinden und ein neues Leben aufbauen. Auch eine Erhebung unter den ehemaligen Abiturienten des Osteroder Gymnasiums zeigt, wie sehr sich die Schicksale der Vertriebenen ähneln.

Vortrag: 500 Jahre Bauernkrieg

Vortrag: 500 Jahre Bauernkrieg

Zum Vortragsthema 500 Jahre Bauernkrieg referierte Jürgen Groger aus Hattorf am 18. September im Museum im Ritterhaus beim Heimat- und Geschichtsverein Osterode.

Nach einer kurzen Übersicht über die geografischen, politischen und sozialen Verhältnisse im Deutschen Reich zur Reformationszeit wurde die prekäre Lage der Bauern eingehend erläutert.

 

Die deutschen Lande sind in dieser Zeit Schauplatz eines Aufruhrs ungeahnten Ausmaßes. Zehntausende Bauern, aber auch Bürger und Bergleute, haben sich in weiten Teilen des Reiches, von den Alpen bis an den Neckar und von Thüringen bis ins Elsass, zusammengeschlossen, um sich gegen ihre weltlichen und geistlichen Herren zu erheben. Was als lokale Proteste begann, ist zu einem Flächenbrand geworden, der die bestehende Ordnung fundamental infrage stellt.

 

Die Gründe für den Ausbruch der Gewalt sind vielfältig und tief in der Gesellschaft verwurzelt. Die Bauern, die das Rückgrat der ständischen Ordnung bilden, leiden seit Generationen unter einer kaum tragbaren Last aus Abgaben, Frondiensten und Willkür ihrer Grundherren. Die sogenannte „Leibeigenschaft“ drückt sie wirtschaftlich und persönlich in eine ausweglose Lage.

 

Hinzu kommt der Beginn der Reformation die Martin Luther mit seinen 95 Thesen entfacht hat. Seine Idee vom „Priestertum aller Gläubigen“ und die Forderung, sich allein auf die Heilige Schrift zu berufen, haben auch unter der Landbevölkerung Widerhall gefunden. Wenn jeder Christ seinen Glauben ohne die Vermittlung einer oft als korrupt empfundenen Kirche leben kann, warum, so fragen viele, soll dann die weltliche Ordnung gottgegeben und unveränderlich sein?

 

Ihren deutlichsten Ausdruck fanden die Forderungen der Bauern in den „Zwölf Artikeln“ die in Memmingen veröffentlicht wurden. Dieses Dokument, das in Windeseile in Verbreitung fand, ist bemerkenswert gemäßigt und fromm. Die Bauern fordern darin nicht die Abschaffung der Obrigkeit, sondern eine Begrenzung ihrer Macht: Sie wollen das Recht, ihre Pfarrer selbst zu wählen, die Abschaffung der Leibeigenschaft, faire Abgaben, den Wiederherhalt alter Gemeinderechte und die Abschaffung willkürlicher Strafen.

 

Die Antwort der Herren fiel jedoch drastisch aus. Zunächst überrumpelt, haben die Fürsten des Schwäbischen Bundes und andere Territorialherren ihre Truppen zusammengezogen. Unter der Führung von Truchsess Georg von Waldburg-Zeil, schlagen sie die Aufständischen mit überlegener Militärkraft und brutaler Härte nieder.

 

Die entscheidende Schlacht tobte bei Frankenhausen in Thüringen. Dort traf ein Heer aufständischer Bauern, angeführt vom radikalen Prediger Thomas Müntzer, auf die fürstlichen Truppen von Philipp von Hessen und Georg von Sachsen. Müntzer, der im Gegensatz zu den Verfassern der Zwölf Artikel einen apokalyptischen Kreuzzug predigte, konnte der Disziplin und Feuerkraft des fürstlichen Heeres nichts entgegensetzen. Die Niederlage war vernichtend. Etwa 6.000 Hunderte Bauern verloren dabei ihr Leben, Müntzer wurde gefangen genommen und hingerichtet.

 

Die gesamten Verluste an Menschenleben der Bauern belaufen sich auf etwa 100.000, die Überlebenden Aufständischen fielen in Reichsacht und verloren damit alle ihre staatsbürgerlichen, privaten und Lehensrechte und waren damit vogelfrei.

Zum Schluss ging Jürgen Groger noch auf die wirtschaftlichen Folgen des verlorenen Bauernkrieges ein die sich in der Vernichtung von Dörfern, Höfen und Ernten sowie in Produktionsausfällen widerspiegelten. Besonders schwierig gestaltete sich der Wiederaufbau der Infrastruktur, der Wiederbeschaffung von Vieh. Dazu kommt der demografische Faktor, der den Verlust der Menschen verdeutlicht. Damit waren die Bauern eindeutig Verlierer dieses Aufstandes. Gewinner dagegen die Fürsten, die mit Abgabenerhöhung, Machterweiterung und Festigung ihrer wirtschaftlichen Grundlage reagierten.

 

Jürgen Groger beendete seinen Vortrag mit der Aussage: die Bauern kämpften für eine gerechtere Welt und scheiterten kläglich. Ihr Versuch sollte in einem blutigen Fiasko enden. Die Bauern haben für etwas gekämpft, was heute mit uns zu tun hat. Sie haben gekämpft für Teilhabe und Mitbestimmung und Freiheit. Das sind die Grundlagen unserer heutigen Demokratie.

 

Bauarbeiten im Bereich des Sieberflügels

Exkursion Schloss Herzberg

Am 7. Mai 2025 besuchte der Heimat- und Geschichtsverein die Baustelle auf Schloss Herzberg. Es ging durch Kellerräume, enge Flure, über Balken, Steine und herumliegende Leitungen. Auf schmalen Brettern wurden Gräben überwunden und wieder bewies die 35-köpfige Gruppe des Vereins ihre hervorragende Geländegängigkeit. Unter der sachkundigen Führung von Herrn Manfred Kirchner vom Förderverein Schloss Herzberg wurden zunächst der Bauuntergrund und die daraus resultierenden Schwierigkeiten erläutert. Der Bergsporn, auf dem das Schloss thront, ist durch unterirdische Auslaugungen von löslichem Gesteinen beeinträchtigt. So musste zunächst für eine aufwändige Ableitung des Regenwassers gesorgt werden, um weitere Schäden an dem Mauerwerk zu verhindern. Zeitweise drohte sogar der Einsturz eines Teilbereichs des Baudenkmals, das seit 2017 saniert und dabei auch baugeschichtlich und archäologisch untersucht wird. In einem ersten Schritt stellten das Land Niedersachsen als Eigentümer und die Bundesrepublik Deutschland Mittel in Höhe von 14,5 Mill. für die Baumaßnahmen bereit. Weitere Gelder wurden vom Land Niedersachsen in der Folge im Haushalt eingestellt, um das bedeutende Baudenkmal zu erhalten.


In einigen Bereichen konnten die Bauarbeiten bereits abgeschlossen werden, in anderen stehen sie kurz vor dem Abschluss. So konnten die fast fertiggestellten Arbeiten am Uhrenturm vom Innenhof des vierflügeligen Schlosses aus besichtigt werden. An anderer Stelle muss hingegen noch über Jahre hinweg gebaut werden, beispielsweise am Sieberflügel des Schlosses, in dem sich einst ein Kornmagazin befand. Auf der Baustelle erhielten die Besucher einen Einblick in den aktuellen Stand der Arbeiten. Abschließend stellte Herr Kirchner im Rittersaal des Schlosses anhand zahlreicher Bilder die bisherigen Fortschritte bei der Sanierung dar.

Am Gedenkstein am ehemaligen Südbahnhof wurde an die Opfer der Todesmärsche im April 1945 erinnert

Gedenken an die Todesmärsche vor 80 Jahren

Anlässlich des 80. Jahrestags der Südharzer Todesmärsche und KZ-Evakuierungen luden die Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion, der Heimat- und Geschichtsverein Osterode und die Spurensuche Harzregion am 8. April 2025 zu einer Veranstaltung am Gedenkstein beim ehemaligen Südbahnhof Osterode ein. Nach einer Gedenkminute an die Opfer erläuterte Herr Firouz Vladi hier den zahlreichen Anwesenden, die Ereignisse in den ersten Apriltagen des Jahres 1945. Allein im südlichen und westlichen Harzvorland wurden damals aus dem KZ Mittelbau-Dora sowie seinen zahlreichen Außenlagern zwischen Osterode und Sangerhausen über 40.000 KZ-Häftlinge nach Nordwesten in Marsch gesetzt. Vier Wochen später, bei Kriegsende, waren gut ein Viertel davon tot. Sie waren unterwegs verhungert, verdurstet, erstickt, erschlagen, erschossen, bei lebendigem Leibe verbrannt oder an Krankheiten (vor allem an Typhus) gestorben. Auf dem mit 34 Kilometer größten dieser Gewaltmärsche überquerten ca. 3.500 Häftlinge aus dem KZ Mittelbau-Dora am 8. April 1945 den Harz von Osterode nach Oker. Vier Tage vorher waren ca. 450 Häftlinge des KZ Gandersheim zu einem Marsch über Bad Grund und Clausthal-Zellerfeld in Richtung Wernigerode aufgebrochen, wo die Überlebenden am 7. April ankamen. Wernigerode war auch das Ziel des Gewaltmarsches von 800 noch „gehfähigen“ Häftlingen der 1.150 Mann umfassenden III. SS-Baubrigade. Sehr eindringlich beschrieb er die Willkür, Qualen und Tod, denen die Häftlinge während der Märsche und Bahntransporte ausgesetzt waren. Auch das Verhalten einiger Zivilisten, die die Märsche beobachteten, wurde geschildert: Hier gab es einerseits hasserfüllte Reaktionen, während andere versuchten, Hilfe zu leisten. Nach dem Krieg wurden die Erinnerungen an diese Ereignisse in einigen Zeitzeugenberichten, u.a. von André Mouton, Aimé Bonifas, Albert van Dijk und Marcel Orset, festgehalten. Im Anschluss an die Ausführungen von Herrn Vladi, die von Herrn Dr. Friedhart Knolle ergänzt wurden, richtete noch der Fraktionsvorsitzende der SPD Osterode, Herr Jörg Hüddersen, einige Worte des Gedenkens an die Anwesenden.


Herr Firouz Vladi stellte anschließend noch die fünfte Neuauflage der Broschüre “Das Wegzeichenprojekt Westharz und der Marsch des Lebens“ vor. Diese Broschüre ist erhältlich im Buchhandel unter ISBN 978-3-86948-021-6


Weitere Literatur zu diesem Thema ist auch beim Heimat- und Geschichtsverein Osterode erhältlich:
Das Kriegsende in Osterode am Harz – April 1945 (Ekkehard Eder)
Die NS-Zeit in Osterode am Harz 1933 bis 1945 (Heike Grobis)